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Australien - BHP Billiton gibt Jagd auf Rio Tinto auf

Die Finanzkrise hat einen der größten Übernahme-Versuche aller Zeiten platzen lassen. Der britisch-australische Bergbaugigant BHP Billiton stoppt sein Vorhaben, den Konkurrenten Rio Tinto zu schlucken.

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BHP hatte Großes vor: Mit dem Kauf des ebenfalls britisch-australischen Konkurrenten Rio Tinto wäre ein Bergbaugigant völlig neuer Dimension entstanden. Rio Tinto ist derzeit weltweit die Nummer drei im Bergbausektor und hat im vergangenen Jahr fast 30 Milliarden Dollar umgesetzt. Marktführer BHP Biliton kam im abgelaufenen Geschäftsjahr auf fast 60 Milliarden.

Zu großes Risiko
BHP nannte zwei Gründe dafür, warum die Übernahme abgeblasen wurde. Zum einen habe man Bedenken wegen des weltweiten Konjunkturabschwungs. BHP-Chef Marius Kloppers sagte, der jüngste scharfe Fall der Rohstoffpreise habe die "Risiko-Dimensionen" des Projekts geändert.

Zu viel Dominanz
Zum andern habe die EU-Kommission gefordert, dass sich BHP Billiton bei einer Übernahme von Rio Tinto von einigen Unternehmensteilen trennen müsse. Ein Zusammenschluss der beiden Konzerne hatte weltweit die Furcht genährt, der neue Riese könnte die Preise diktieren. Beide Unternehmen dominieren die Förderung von Kohle, Uran, Kupfer, Aluminium, Gold oder Diamanten.

Vor allem die Eisenerzförderung stand unter genauer Beobachtung, weil hier eine marktbeherrschende Stellung gedroht hätte. Auf dem Markt hätten Rio und BHP zusammen über ein Drittel der Exporte des Rohmaterials für Stahl kontrolliert. Kunden wie ThyssenKrupp und Salzgitter fürchteten deshalb bei einem Zusammenschluss höhere Preise.

Die EU-Wettbewerbshüter hatten im Juli außerdem Bedenken mit Blick auf die Märkte für Kohle, Uran, Aluminium und mineralischem Sand angemeldet. BHP hatte noch Anfang November angekündigt, die Bedenken der EU-Wettbewerbshüter ausräumen zu wollen.

Heftige Kursreaktion
An der Börse hatte man nicht damit gerechnet, dass die Übernahme von Rio Tinto noch scheitern könnte. Entsprechend stark waren die Kursausschläge. Die BHP-Aktie kletterte in London um mehr als 18 Prozent in die Höhe. Die von Rio hingegen brach um rund 40 Prozent ein. Analysten zeigten sich überrascht von der Entscheidung der Australier. "Es hat überhaupt keinen Anhaltspunkt dafür gegeben", sagte Tim Barker von BT Financial Group. "Die Entscheidung lässt darauf schließen, dass sich der BHP-Vorstand die Marktbedingungen genau angeschaut hat und bemerkt hat, dass die Lage wegen der wirtschaftlichen Abkühlung nicht mehr dieselbe ist wie noch zuvor."

BHP Billiton hatte ursprünglich für Rio Tinto rund 140 Milliarden Dollar geboten - und zwar wollte man mit eigenen Aktien bezahlen. Wegen der erwarteten globalen Konjunkturabschwächung sind die Aktien-Kurse von Rohstoff-Firmen aber deutlich eingebrochen. Deshalb war die Übernahme zuletzt nur noch 58 Milliarden Dollar schwer.

Milliardenabschreibung bei BHP
Ein wenig unter ging die schlechte Nachricht von BHP Billiton, dass im laufenden Jahr wegen eines Nachfragerückgangs nach Nickel Einmalkosten in Höhe von rund 2,1 Milliarden Dollar vor Steuern anfielen.