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Die Auswirkungen der industriellen Veränderungen werden spürbarer

Thomas Fritsch Chief Editor

Leichtbau in Guss 2019 in Nürtingen

Alles in derselben Woche
Der neue Daimler Boss Ola Källenius verkündet massive Veränderungen und Einsparungen in Milliardenhöhe im Daimler Konzern, Konjunkturexperten berichten von neuerlichem Abschwung in Fernost, Europas Regierungen beschließen spürbare Maßnahmen, die dem Klimaschutz helfen sollen und gleichzeitig kokettiert TESLA mit einem neuen Giga-Automobilwerk  in der Nähe von Berlin.

Und zur selben Zeit treffen sich in Nürtingen bei Stuttgart Experten aus Gießerei- und Automobilindustrie, Wissenschaft, Maschinenbau und Verbänden zur 13. Auflage der Leichtbau in Guss, wie immer glänzend organisiert und durchgeführt vom Hanser Verlag München und der TU München, zu intensivem Austausch - ganz offensichtlich zum richtigen Zeitpunkt.

Digitalisierung und Differenzierung als Erfolgsfaktoren im globalen Wettbewerb
Das Thema Leichtbau genießt auch künftig einen hohen Stellenwert, die Schwerpunkte werden jedoch zunehmend von digitalen Prozessen, vielfältigen Materialansätzen und der Auseinandersetzung mit den Folgen veränderter Bedingungen im automobilen Antriebsstrang bestimmt.

„Die Digitalisierung ist das Zauberwort der Zukunft, denn sie wird das komplette Produktionsumfeld im Gießereiprozess verändern“, stellt Prof. Dr.-Ing. Wolfram Volk (TU München Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen) richtungsweisend fest.

Dazu kommen die veränderten künftigen Anforderungen im Umfeld der E-Mobilität, die zwingend die Herstellung komplexerer und größerer Strukturteile notwendig mache.

Eingebettet zwischen interessanten Vorträgen aus der Praxis von Maschinenbauern, OEM Projekten, wissenschaftlichen Arbeiten, volkswirtschaftlichen Ansätzen bis zum Blick auf den Chinesischen Markt und die immer näher rückende Seidenstraßenlogistik war natürlich ein Highlight der Veranstaltung der Besuch in der Daimler Gießerei (HPCD und LPDC) in Mettingen.


Programm:
Bauspezifische Prozessauslegung von Aluminium-Strukturbauteilen im weltweiten Lieferverbund - Thomas Eisenbraun, Daimler AG Stuttgart
Legierungsentwicklung für gegossene Strukturteile und deren Wärmebehandlung - Dr. Hubert Koch, TRIMET Aluminium Essen
Großserienproduktion von 3D-gedruckten Sandkernen in der Automobilindustrie - Francesc Roure Pastor, Loramendi Vertriebs GmbH Ratingen
Simulation und Optimierung des Entkernprozesses von anorganischen Bindersystemen für das Leichtmetallgießen am Beispiel FILL - Florian Ettemeyer Fraunhofer IGCV Garching
Seidenstrasse und Protektionismus – neue Herausforderungen für Deutsche Gießereien? - Heiko Lickfett, BDG Düsseldorf
Chinas Gießereien: Virtuell und real – heute und morgen - Dr. Konrad Weiss, RWP Roetgen
Innovative Werkzeuge für hohe Prozessverfügbarkeit - Georg Wetter, KRÄMER+GREBE Biedenkopf
Prozess- und Kostentransparenz in der Digitalen Kernmacherei bei INACORE - Dr. Julian Feinauer Pragmatic Minds GmbH Nürtingen
Simulation im Entwicklungsprozess von innovativen Leichtbaukonzepten - Dr.-Ing. Dipl.-Phys. Matthias Todte, Flow Science Deutschland GmbH Rottenburg
Automatisierte Bauteilbewertung durch Inline-Computertomographie in der Leichtnetallgießerei bei BMW AG in Landshut - Maxim Schlotterbeck, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg

Bei Interesse für einzelne Beiträge nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf: tf(at)foundry-planet.com

Völlig zu Recht lobte Mitmoderator Prof. Dr. Hartmut Hoffmann die Tiefe und Diversität der Beiträge und die gelungenen Präsentationen.

Daimler AG will trotz Sparpaket weiter in die Gießerei investieren
Besonders auffallend war, dass die Daimler AG trotz der angekündigten Sparmaßnahmen gerade auch in der Gießerei neu investieren werde (Wärmebehandlung, Putzen und Nachbearbeiten) und die weltweite Austauschbarkeit von Bauteilen und Werkzeugen erreichen möchte.

Das Projekt 3D-gedruckter Sandkerne bei der BMW AG unterstützt von LORAMENDI, voxeljet und ASK soll in der Ausbaustufe werkzeugfreies Produzieren von hochkomplexen Kernen ermöglichen, die mit herkömmlichen Kernschießmaschinen nicht hergestellt werden können und dabei auch mittlere Serien produzieren zum Beispiel: Gussteile für die E-Mobilität.

Power of Choice bei der BMW AG
Trotz des Hypes um die E-Mobilität will die BMW AG auch künftig den Verbrauchern die freie Wahl ihres Fahrzeug Antriebs überlassen. „Power of Choice“ heißt hier die Zauberformel und umfasst den Blick auf E-Motoren, hybride Antriebe bis zu Verbrennern auf dem allerneuesten Stand. Dieses Konzept werde sowohl den Anforderungen des Weltmarktes als auch den strengen Regeln der Europäischen Union gerecht.

Damit setzt BMW eigene Signale, vielleicht kommen synthetische Kraftstoffe schneller als man denkt.

Bemerkenswert auch der Beitrag von BDG Volkswirt Heiko Lickfett, der, bei allen Bedenken für das strategische Zukunftsprojekt Seidenstraße, auch die Chancen für Deutsche und Europäische Gießereien anmerkt.
Das Projekt darf nicht zur Einbahnstraße verkommen und setzt voraus, dass die Europäer eigene USPs setzen, weil ein Entgegenstemmen langfristig keinen Sinn macht, umso mehr als schon heute Europäische Häfen und Logistikcenter profitieren.

Den Blick aus Sicht eines erfahrenen Gießereifachmanns nach China wagte auch Dr. Konrad Weiss, der selbst auch Chinesische Gießereien berät. In Puncto Umweltstandards und bisweilen auch technisch haben etliche Gießereien im Reich der Mitte enorm aufgeholt und ständig werden auch völlig neue Unternehmen auf dem neuesten Stand der Technik aufgebaut. Die Konkurrenz schläft nicht, wobei besonders das Deutsche Ausbildungssystem bis heute von niemandem erreicht werde, hier gelte es anzusetzen und die Herausforderungen mutig anzugehen.

Wir bleiben für Sie am Ball, die 14. Auflage von Leichtbau in Guss wird im November 2020 in Nürnberg im Umfeld von MAN stattfinden!
 

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