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Gießerei investiert Millionen in St.Leon-Rot

SLR-Gruppe plant Umbau im St. Leon-Roter Werk für mehr Effizienz und geringere Umweltbelastung

St. Leon-Rot. (seb) "Das ist ein klares Standortbekenntnis": Das betonten der geschäftsführende Gesellschafter Sascha Seiz und Geschäftsführer Hermann Becker von der SLR Gießerei St. Leon-Rot jetzt auf einer Informationsveranstaltung. "Wir fühlen uns St. Leon-Rot verpflichtet, wollen den Standort erhalten, aber zeitgemäß und bedarfsgerecht."

Geschätzte fünf Millionen sollen in den Umbau zur Kapazitäts- und Effizienzsteigerung investiert werden, aktuell fließen bereits zirka 2,5 Millionen Euro ins Firmengebäude im Gewerbegebiet Rot-Malsch: Dach und Fassade werden saniert und besser gedämmt. Der Hersteller von Gusseisenteilen hauptsächlich für Bau- und Landmaschinen sieht es laut Seiz als wichtige Aufgabe, den Standort "zukunftssicher aufzustellen".

Sichtbarste Veränderung wird ein 48 Meter hoher Schornstein. Schon aus diesem städtebaulichen Aspekt war Bürgermeister Dr. Alexander Eger ein frühes Informieren der Bevölkerung sehr wichtig: "Den sind wir nicht gewöhnt, den wird man wahrnehmen und es wird Fragen geben." Wesentlicher Vorteil, so die SLR-Geschäftsführung, ist neben der Effizienzsteigerung eine starke Senkung der Umweltbelastung. Es geht um die Schadstoffe Benzol und Staub, aber auch um Lärm und Gerüche: Auf die Prognosen entsprechender Experten gestützt, versicherten Sascha Seiz und Hermann Becker, dass Nachbarschaft und weitere Umgebung mess- und spürbar entlastet würden.

Hintergrund der Anstrengungen ist die notwendige Erneuerung der Betriebsgenehmigung. Jahr für Jahr modernisiere man das Werk, so Seiz, dafür habe man aber bisher nur Änderungs- oder Teilgenehmigungen erhalten. Nachdem nun auch neue Luftreinhaltungs-Richtlinien gelten, wolle man das alles bündeln, es solle rechtlich "aus einem Guss" sein. Hauptinhalt des Antrags ist die Steigerung der Produktivität: Die Verarbeitungskapazität soll von rund 55 000 auf maximal 100 000 Tonnen pro Jahr, die mögliche Arbeitszeit von jährlich 5280 auf 7500 Stunden steigen. Damit erwarte man, die Produktionskosten zu senken, so Seiz, und damit weltweit konkurrenzfähig zu bleiben.

Becker und Seiz hoben hervor, dass dies noch ein äußerst frühes Stadium der Öffentlichkeitsbeteiligung sei: Der Antrag werde in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe aktuell noch bearbeitet. Ein halbes Jahr bestenfalls werde die Genehmigung brauchen, umfassende Daten gerade zum Umweltschutz werden im Verlauf des Verfahrens öffentlich. Und insgesamt könnte es durchaus drei Jahre bis zur Realisierung dauern.

"Wir werden alle Grenzwerte einhalten", betonte die SLR-Geschäftsführung. Mehr noch: Trotz der steigenden Kapazität werde man nach aktuellen Prognosen allenfalls die Hälfte oder nur wenig mehr der erlaubten Schadstoffmengen erreichen. Gegenüber der jetzigen Menge werde man "den Staub halbieren, sonst hat der Antrag auch gar keine Chance", so Becker. Momentan befinde die Gießerei sich bereits in der niedrigsten Risiko-Kategorie des Regierungspräsidiums, so Becker: Statt jährlich werde man nur alle drei Jahre kontrolliert.

Detailliert stellten Hermann Becker und Sascha Seiz den Anwesenden, unter ihnen zahlreiche Mitglieder des Gemeinderats, die Gießerei mit ihren einzelnen Abteilungen vor. Laut Seiz ist der "Global Player" SLR-Gruppe heute vollständig im Besitz der Familie Seiz. Gut 300 Menschen arbeiten allein am Standort St. Leon-Rot, rund 220 fest bei SLR, die übrigen über Werkverträge angestellt. Der Umsatz beläuft sich auf rund 85 Millionen Euro pro Jahr.

Ein weiterer Produktionsstandort ist in Elsterheide bei Dresden. Die Firmengruppe habe weltweit Kunden und sei "finanziell absolut gesund", so Seiz, sonst könne man diese Investitionen nicht stemmen. Allerdings spüre man aktuell den Konkurrenzdruck und die weltweit gesunkene Nachfrage nach Bau- oder Landmaschinen. Daher, so Becker, habe man zu Kurzarbeit an zwei Tagen die Woche greifen müssen, die Arbeitszeit sei auf 60 Prozent verringert. Man nutze die vorhandenen Möglichkeiten - "bis auf Leiharbeit" - um sich angesichts der weltweiten Lage "Luft zum Atmen" zu verschaffen. Seiz ergänzte, dass die Gießerei auch gering Qualifizierten eine Chance gebe - "Ich persönlich bin neugierig auf die Asylbewerber, deren Verfahren positiv verläuft." Es herrsche "immer ein großer Wille, die Mitarbeiter fest zu übernehmen", daher sei man stolz, dass die Mehrzahl der Mitarbeiter seit Jahren oder sogar Jahrzehnten dabei sei. Auch die Ausbildungsquote sei mit rund 15 Prozent alles andere als gewöhnlich.

Grundsätzlich begrüßte Bürgermeister Eger den Gießerei-Umbau: "Das stärkt den Standort, darüber sind wir froh". Auch für die anwesenden Räte waren bessere Luft und der Erhalt der Arbeitsplätze starke Argumente, dem Vorhaben von SLR wohlwollend gegenüberzustehen.


Quelle: rnz.de

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