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Internationaler Lieferengpass bei Magnesium aus China: Europaweiter Produktionsstopp droht

Thomas Fritsch Chief Editor

Angesichts eines drohenden internationalen Lieferengpasses von Magnesium aus China fordert die WV Metalle sowie die mitunterzeichnenden Verbände und Interessenvertretungen, die deutsche Regierung auf, dringend diplomatische Gespräche mit China einzuleiten.

Sehen sie hier das Statement und Forderungen der WV Metalle (Wirtschaftsvereinigung Metalle, Deutschland):

Befürchtet wird eine Situationsentwicklung ähnlich der Chip-Krise.

• Es wird erwartet, dass die jetzigen Magnesiumvorräte in Deutschland, bzw. in ganz Europa, spätestens in einigen Wochen Ende November 2021 erschöpft sein werden.

• Bei einem Versorgungsengpass dieses Ausmaßes drohen somit massive Produktionsausfälle.

• Betroffen ist die gesamte Aluminium-Wertschöpfungskette mit Sektoren wie der Automobil-, Flugzeug-, Elektrofahrrad-, Bau- oder Verpackungsindustrie sowie dem Maschinenbau. Andere magnesiumverarbeitende Sektoren sind der Druckguss sowie die Eisen- und Stahlproduktion.

1. Marktüberblick und Betroffenheit in Deutschland

Mit einem Anteil von 87 Prozent an der Produktion hat China ein nahezu vollständiges Monopol auf die weltweite Magnesiumproduktion. Etwa 45 Prozent aller chinesischen Ausfuhren sind für Europa bestimmt. Deutschland und Europa sind auch deshalb besonders stark von den Lieferengpässen betroffen, da im Jahr 2001 die verbliebene Magnesiumproduktion aus unterschiedlichen Gründen aufgegeben wurde. Die Folge ist, dass die chinesischen Ausfuhren heute 95 Prozent des Magnesi-umbedarfs in Europa decken und damit eine fast vollständige Abhängigkeit besteht.

Magnesium steht seit 2017 auf der Liste der kritischen Rohstoffe der EU. Die Europäische Kommission hat dies in ihrer Mitteilung zur „Widerstandsfähigkeit der EU bei kritischen Rohstoffen: Einen Pfad hin zu größerer Sicherheit und Nachhaltigkeit abstecken“ im September 2020 nochmals bekräftigt. Politisch-strategische Überlegungen und Maßnahmen zur Sicherstellung des Lieferflusses blieben bislang jedoch aus.

Die starke Verknappung von Magnesium führt bereits zu Rekordpreisen, erzeugt weltweite Verzer-rungen am Markt und kündigt enorme Störungen in der Lieferkette an. Wir weisen hier auch auf das entsprechende Chart des Monats September der Deutschen Rohstoffagentur DERA hin.

2. Hintergrund

Vor einigen Tagen hat die Entwicklungs- und Reformkommission (DRC) der Stadt Yulin ein neues Dokument zur Erreichung der Ziele für die Verringerung der Energieintensität und des Energiever-brauchs bis 2021 veröffentlicht. In diesem Dokument wird geregelt, dass wichtige energieintensive Industrien oder Unternehmen ihre Produktion von September bis Dezember entsprechend reduzie-ren oder einstellen sollen.

Aufgrund der aktuellen Energieknappheit in China betrifft dies auch andere energieintensive Indust-rien oder Unternehmen, die Magnesiumproduktion jedoch in besonderem Maße. Anhand unter-schiedlicher Quellen kann angenommen werden, dass bis jetzt mindestens 31 Magnesiumwerke in den weltweit wichtigsten Magnesium-Produktionszentren der Welt, den Provinzen Shaanxi und Shanxi, entweder stillgelegt wurden oder ihre Produktion um 50 Prozent senken mussten.

Die derzeitige Magnesiumknappheit ist ein klares Beispiel für die Abhängigkeit Deutschlands von chi-nesischen Importen und den damit verbundenen Risiken.


Forderungen der WV Metalle

Kurzfristig: Dringende Einleitung diplomatischer Gespräche mit China, um die Weiterführung der Produktion in Deutschland gewährleisten zu können.

Langfristig: Es bedarf einer industriepolitischen Strategie Deutschlands für den gesicherten Zugang zu Industriemetallen. Gemeinsam mit der EU müssen mittel- und langfristige wirksame Maßnahmen zur Aufrechterhaltung funktionierender und zukunftsfähiger Wertschöpfungsketten ergriffen werden.

In eigener Sache, aus Sicht des globalen Medienbegleiters (Foundry-Planet)

Als mediale Begleiter in einer globalen Industrie wie der Gießerei Industrie, die lange Zeit exzellent funktioniert hat, geht es neben der Fairness auch um den Konsens und den Verstand, dass alle Marktteilnehmer langfristig nur dann eine Chance haben, wenn wir das aufgebaute Vertrauen als Maßstab unseres Handelns ansehen. Das gilt ganz besonders in eh schon schwierigen Zeiten. Jetzt wird sich zeigen wie belastbar die Lieferketten tatsächlich sind und was Verträge und Abkommen wert sind. Bislang haben in der Regel die Beteiligten gleichermaßen profitiert und daran sollte man sich ganz schnell erinnern.  Die Globalisierung hat sich während der Corona Pandemie schon verändert. Eine Magnesium/Aluminium Knappheit könnte einen immensen Schaden anrichten und führt am Ende zu Verwerfungen und dem Verlust des aufgebauten Vertrauens.

Das kann doch ernsthaft niemand wirklich wollen. Bevor Vertrauen verspielt wird, schlägt die Stunde der Diplomatie und das gilt für ganz Europa.

 

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