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Nur ein Hellseher kann die Transformation der Antriebe wirklich voraussehen

Thomas Fritsch Chief Editor

Alles, was den Druckguss in Summe wettbewerbsfähiger macht, ist auch gut für den Formenbau, wir stehen nicht im Wettbewerb mit anderen Formenbauern, sondern mit anderen Prozessen und Materialien, betont Siegfried Heinrich (CEO SF Tooling Group GmbH, Laichingen)

Nach dem Shutdown des öffentlichen Lebens und großer Teile der Industrie in Deutschland und in Europa war es für die Foundry-Planet Redaktion allerhöchste Zeit für den ersten Werksbesuch nach der Krise.

Die Europäische Union beschloss gerade, den angeschlagenen Ökonomien mit Rekordsummen im europäischen Wirtschaftsraum zur Seite zu stehen.

In China, aber auch in Europa gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass das 3. Quartal 2020 stark anziehen könnte, also gute Vorzeichen für einen Blick nach vorn.

Wir besuchten den schwäbischen Formen und Werkzeugbauer Schaufler Tooling GmbH & Co.KG in Laichingen und hatten das Vergnügen Herrn Siegfried Heinrich und Herrn Marc Klapper zu treffen und bedanken uns für ein interessantes Gespräch.
 
Die Auswirkungen der Pandemie haben über Nacht vieles verändert, auch in unseren Niederlassungen in den USA und China
Nach den ersten Monaten der Pandemieerfahrung und ihren Auswirkungen waren die Manager bei Schaufler Tooling GmbH & Co.KG quasi über Nacht mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert, berichtet CEO Siegfried Heinrich, nachdem OEMs und der Druckguss weltweit zu großen Teilen still standen. In Deutschland konnten wir mit der Kurzarbeiterregelung sehr schnell anpassen und dazu zügig KfW Kredite beantragen, so dass laufende Aufträge gut bedient werden konnten und wir finanziell für alle Eventualitäten gewappnet sind, berichtet Heinrich.

Anders die Situation bei Fischer Tool & Die, die US-Tochter der SF Tooling Group, wo es in der Belegschaft zunächst zu sogenannten temporary leaves kam und ab Ende April mit staatlich gedeckten Krediten die Liquidität gesichert wurde. In der Schaufler China Co.,Ltd., wo die Schaufler Tooling mit zwei renommierten, strategisch chinesischen Formenbauunternehmen kooperiert, konnten die Partner die Herausforderungen vergleichsweise gut abfedern. Überhaupt entwickle sich das Geschäft in China trotz der Covid-19 Pandemie sehr gut und der Formenbau dort steht bei der Formherstellung den europäischen Standards in nichts nach.

Auch dort werden mit 5-Achs-Technik und Highspeed Maschinen Formen für komplexe Gussteile gefertigt, doch noch kommen im High-end Segment das Knowhow, Simulation, Konstruktion, Thermohaushaltsberechnung und das Engineering aus Deutschland. Mittelfristig denkt man auch an einen eigenen Montagestandort in China.
 
„Lassen Sie uns nach vorne schauen und einen Haken an das Corona-Jahr machen“
„In 2019 hat das Fachmagazin Wirtschaftswoche die SF Tooling Group mit Schaufler Tooling in Deutschland und Fischer Tool & Die in den USA zu den Weltmarktführern gezählt. „Ob wir das umsatzmäßig dieses Jahr erreichen können, das kann ich nicht voraussagen, ich denke, wir sollten einen Haken an das Coronajahr machen und den Blick nach vorn richten“, lässt Siegfried Heinrich erst gar keine Unsicherheit aufkommen, denn er ist überzeugt, dass sein Unternehmen die Herausforderungen stemmen wird und gut aufgestellt ist, denn die Coronaeffekte sind temporär.

Der Unternehmer sieht die Lage überaus realistisch und erwartet für Europa schon in Kürze gute Chancen, denn das Alter der Fahrzeuge sei durchschnittlich relativ hoch und das heißt Ersatzbedarf und Flottenerneuerung steht an. Dabei könnte der Export von Fahrzeugen mittelfristig weniger werden, weil sich die Wertschöpfungsketten eher in andere Märkte Richtung Asien verschieben.

Das Investitionsklima bei OEMs und Zulieferern in die Automobilindustrie wird von der Transformation bestimmt und die Diskussion über alternative Antriebe, Konnektivität und autonomes Fahren, so dass klassische Investitionen zum Teil verzögert realisiert werden. Insgesamt stelle man fest, dass die Modellvielfalt zugunsten der Zukunftstechniken zurückgefahren wird.

Wer jedoch behauptet zu wissen wie sich die Transformation der Antriebe wirklich entwickelt, der müsse ein Hellseher sein, denn wir befinden uns in sehr jungen und dynamischen Technologien, die eine Prognose schwierig machen. In jedem Fall gebe es für den Druckguss im Bereich Leichtmetall für jede der möglichen Antriebsformen ausgezeichnete Chancen, Teil der Bedarfs- und Lieferkette zu sein und das für die kommenden Jahre parallel für alle gängigen Antriebsformen. Das setzt hohe Flexibilität und Wissenstransfer voraus und fordere alle Beteiligten heraus enger zusammenzuarbeiten. Formenbauer und Gießer könnten nach Heinrichs Ansicht durchaus früher in die Entwicklungsprozesse involviert werden.



Alles was den Druckguss in Summe wettbewerbsfähiger macht, ist auch gut für den Formenbau, auch integrierte Großgussteile für die Karosserie 
Natürlich ist der Druckguss enorm automobilabhängig und die Frage, wieviel Druckguss bleibt in einem reinen Elektrofahrzeug übrig, ist noch nicht entschieden. Es sind nicht unbedingt europäische Hersteller, die da den Takt vorgeben. Siegfried Heinrich ist überzeugt, dass alle OEMs die kühnen Pläne von Tesla, hochintegrierte Großgussteile für den Karosserierohbau einzusetzen, genau verfolgen und ihre Schlüsse ziehen. Auf die Frage inwiefern der Formenbau auf diese Herausforderungen schon vorbereitet sei gibt er sich diplomatisch. Das ist eine neue Liga von Werkzeugen, die es bisher so nicht gab, deshalb sei es notwendig entsprechende Infrastruktur aufzubauen um optimal aufgestellt zu sein, aber das sei möglich und umsetzbar.

Überhaupt plädiert Heinrich dafür, dass die Branche und die Prozessbeteiligten alle technologischen Vorteile einsetzen. Bei der Druckgussform geht es, wie gewohnt, um die Steigerungspotenziale hinsichtlich Qualität, Lebensdauer und Taktzeiten.

Ob es denn auch alternative, neue Einsatzbereiche für den Druckguss gäbe, nennt Heinrich das Umfeld Elektronik, Photovoltaik und Mobilfunktechnik, gerade beim Bedarf für den 5G-Ausbau gäbe es schon interessante Beispiele für Gehäusetechnik aus Druckguss.  
 
Mit Ambition und Optimismus ins 2. Halbjahr 2020 
Die Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung sind spürbar, die Regierungen in der ganzen Welt setzen sich für zügige und nachhaltige Industrieförderung ein und, wie so oft, spielt in der aktuellen Situation die Psychologie eine entscheidende Rolle. Siegfried Heinrich verströmt Zuversicht, angesprochen auf den Ausblick fürs 2. Halbjahr 2020 gibt er sich selbstbewusst. „Wir haben 2020 noch viel vor, die Auftragsbücher sind voll und wir haben neue Projekte. Es gibt so viele interessante und zukunftsweisende Aspekte, die den Druckguss und den Formenbau betreffen und überall wird gute Arbeit geleistet.

Neben der Technologie für neue Großgussteile sehen wir große Herausforderungen und Optimierungschancen auf vielen Ebenen. Möglicherweise tragen die Folgen der Pandemie dazu bei, dass der globalen Standardisierung eine größere Bedeutung zukommt. Mit einheitlichen Maschinenschnittstellen könnte man Aufwendungen und unnötige Kosten einsparen, den Trend zu Normteilen vorantreiben und im Internet of Things (IoT) bitte den Formenbau nicht vernachlässigen. Das ist ein Plädoyer für eine engere Zusammenarbeit zwischen Hersteller, Gießerei und Formenbau und ein optimistisches Signal für die gesamte Branche.
 
Wir bedanken uns für das Gespräch - Glückauf Schaufler Tooling GmbH & Co.KG!

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