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02. April 2019

Gießerei-Industrie im Umbruch?

Gießerei-Industrie im Umbruch?

Da kommt die GIFA, METEC, Thermprozess und Newcast im Juni 2019 gerade recht!

Ein Foundry-Planet Interview mit GIFA- und NEWCAST-Messepräsident Dipl.-Ing. Heinz Nelissen, Geschäftsführer Vesuvius GmbH, Foseco Foundry Division, Borken.

FP: Weltweite Prognosen für die Gießerei-Industrie bis 2025 fallen moderat, aber positiv aus, dennoch sieht sich die Industrie mit interessanten Herausforderungen konfrontiert.
Gerade in Westeuropa und in Deutschland hatten wir in den Eisen- und Stahlgießereien mit 2017 und 2018 zwei gute Wachstumsjahre, die Aluminiumgießereien wachsen eher kontinuierlich. Die Herausforderungen für die Gießer sind vielfältig. Denken wir nur an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe, den Wettbewerb durch andere Gießereien oder durch die Wettbewerber in Billiglohnländern, aber auch Schmieden und Bearbeiter sind klassische, gut aufgestellte Wettbewerber. Bei den Werkstoffen kämpfen Eisen- und Aluminiumgießer um die besten Lösungen, und auch die Kunststoffbranche hat den globalen Automobilmarkt als Zielmarkt definiert. Hier müssen wir Gießer noch stärker unsere Recyclinglösungen propagieren. Der zunehmende Leichtbau, unabhängig vom Werkstoff, fordert Gießer und Zulieferer heraus. Umweltauflagen müssen erfüllt werden und erfordern im Idealfall geschlossene Wertstoffkreisläufe. Die nächste Generation von Gießern muss interessiert und ausgebildet werden, damit die Nachhaltigkeit der Branche gesichert ist. Ich bin überzeugt, der Gießer wird diese Herausforderungen annehmen und meistern.

FP: Die ungeklärte Zukunft der automobilen Antriebsformen, Internet of Things (IoT) und additive Fertigung das sind drei Stichworte, was bewegt die Gießereiwelt derzeit am meisten in welcher Reihenfolge?
Wenn man den Automobilbau unterteilt in Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge, ergibt sich ein Bild. NFZ, insbesondere für den Überlandverkehr, werden auch weiterhin mit Verbrennungsmotoren ausgestattet werden. Gerade hier in Europa gibt es einige Investitionen in die Produktionskapazität für LKWs. In den Städten werden Busse, Post- und Paketdienste und die PKWs im Stadtverkehr eher elektrisch fahren, um die Emissionen in den Zentren zu vermindern. Egal für welche Antriebsart, Gussprodukte werden gebraucht. Der Gießer muss sein Segment definieren und finden und sich dort spezialisieren.

Ein Megatrend ist die additive Fertigung. Die generativen Verfahren stellen eines der größten Forschungs- und Investitionsfelder der globalen Industrie dar. In der Großserienfertigung bleiben die Gießverfahren bisher deutlich kostengünstiger. Daher werden 3D-Drucker ergänzend eingesetzt für Kerne, Werkzeugeinsätze, Prototypen und Ersatzteile, aber auch schon für spezielle Luftfahrtteile.

Das Internet of Things und die Digitalisierung ermöglichen die digitale Transformation. Hierdurch können wesentlich mehr Prozessparameter erfasst, ausgewertet und in digitale Regelkreise überführt werden. Automatisierung ist in wesentlich höherem Maße möglich. Auf der GIFA finden Sie bei den großen Maschinenanbietern sicher interessante Lösungen.

FP: Wie schätzen Sie die Zukunft für Eisen-, Stahl- und NE-Guss bis 2025 ein und sehen sie unterschiedliche Entwicklungen in den großen Märkten wie China, Indien, Europa und Nord-und Südamerika?
Die globalen Handelsbeziehungen sind leider im Moment nicht mehr so stabil und belastbar, wie wir es jahrelang gewohnt waren. Allgemein geht man von unterschiedlichen Entwicklungen bei den Aluminiumgießereien und den Eisen-, Stahl- und Tempergießereien aus. Die Aluminiumgießereien zeigen weltweit Tonnagewachstum, während die Eisen- und Stahlgießereien hauptsächlich in China und Indien stark wachsen und sich ansonsten eher stagnierend oder leicht schrumpfend entwickeln. Besonderes Wachstum ist aufgrund der Zuliefersituation für den amerikanischen Automobilmarkt nur noch in Mexiko zu erwarten.

FP: Wie müssen sich innovative Gießereien aufstellen um den Herausforderungen gerecht zu werden?
Die Gießereiindustrie gilt allgemein als recht konservative Branche. Trotzdem gelingt es immer wieder einigen Gießern, besonders in Deutschland und Mitteleuropa, innovative und kommerziell erfolgreiche Lösungen in ihren Gießereien zu etablieren.

FP:Wie machen diese Betriebe das? Wodurch unterscheiden sie sich von ihren Wettbewerbern?

Der innovative Gießer wird eng mit seinem Kunden zusammenarbeiten, um bereits in der Entwicklungsphase in die Arbeit des Kunden involviert zu sein. Evtl. kann er hier Lösungen in die Gusskonstruktion integrieren, die später nur durch ihn gefertigt werden können oder bei denen er zumindest Vorteile hat. Bei Werkstoffentwicklungen testet er frühzeitig, Verfahrensoptimierungen nimmt er offensiv an, beim Leichtbau bringt er seine eigenen Ideen mit ein. Viele neue Gussteile werden entwickelt, weil eine Systemintegration stattfindet und mehr Anbauteile in die Gusslösung integriert werden. Der innovative Gießer stellt auf der NEWCAST aus, um seine innovativen Lösungen den Kunden zu präsentieren und er besucht die GIFA und die Vorträge im GIFA Forum, um sich auf dem aktuellen Stand zu halten und sich weiter zu vernetzen.
Außerdem wird er eng mit seinem Lieferanten zusammenarbeiten und diesen frühzeitig mit einbinden, um in partnerschaftlicher Zusammenarbeit an einer innovativen Lösung zu arbeiten.

FP: Die Bewertung von Guss spiegelt sich bis heute überwiegend im Tonnagevolumen. Wie kann eine Veränderung hin zur Vergütung echter Wertschöpfung erreicht werden? Werden Gießereien bald nur noch Komplettlösungen anbieten?
Es ist tatsächlich so, dass eine Gießerei im Wesentlichen nach der verkauften Gusstonnage bewertet wird. Ebenso kaufen die großen Gusseinkäufer, die OEMs, stark fokussiert auf den Preis pro kg Guss ein. Dies führt dazu, dass die Verkaufspreise der Gießereien, die im globalen Wettbewerb stehen, vergleichbar gemacht werden und unter kontinuierlichem Abwärtsdruck stehen. Besonders in Konjunktur-Abschwungphasen ist dies ein gefährlicher Trend, da nicht ausgelastete Betriebe Zusatzmengen zu teilweise ruinösen Preisen auf den Markt bringen. Es ist Aufgabe der Gießerei, die Wertschöpfungsvorteile und Alleinstellungsmerkmale aufzuzeigen, die man evtl. gegenüber dem Wettbewerb hat, und in einen besseren Verkaufspreis umzusetzen. Dazu muss der Gießer seinen eigenen Prozess und zumindest die wichtigsten Wettbewerber gut kennen. Erfreulicherweise gibt es jetzt vermehrt Betriebe, die beginnen, die Ertragsrechnung auf Deckungsbeitrag pro Formkasten umzustellen, um diese Kenngröße dann zu optimieren.

Die OEMs wollen mehr Komponenten und Komplettlösungen einbauen und die Zahl der Zulieferer reduzieren. Dies kann für Gießer die Chance bieten, in Bearbeitung oder Vormontage zu investieren und vorgefertigte Komponenten zu liefern. Dadurch wird zusätzlicher Deckungsbeitrag generiert, jedoch sind hohe Investitionskosten notwendig.

FP: Welchen Beitrag zur Unterstützung leisten globale Zulieferer wie FOSECO im Wettbewerb im Materialmix oder im Bereich Leichtmetallguss für die E-Mobilität?

Einige der großen globalen Zulieferer haben in den letzten Jahren in Forschungs- und Entwicklungskapazitäten investiert. FOSECO hat das globale R&D Center für Gießerei in Enschede in den Niederladen errichtet. Dort führen wir alle Entwicklungsprojekte mit globaler Reichweite durch, lokale Projekte werden in den standortbezogenen Laboren bearbeitet.

Der derzeitige Trend zur E-Mobility fördert im Werkstoffmix Aluminium und auch hochfeste, dünnwandige Stähle, für die sich neue Anwendungsmöglichkeiten ergeben. Generell wird der Leichtbau im Automobilbau fortgesetzt und stellt den Gießer vor immer neue Herausforderungen.

Im Bereich Leichtmetallguss, FOSECO hat übrigens einen eigenen Geschäftsbereich für die NE-Gießereien, liegt unser Schwerpunkt auf der Schmelzebehandlung für Aluminiumguss und Feuerfestauskleidungen für Dosieröfen. Beide Technologien sind äußerst gefragt für Druckguss und auch für E-Mobility und sind heute bereits Standardanwendungen für Strukturbauteile.
Dünnwandguss, auch im Eisen- und Stahlguss, unterstützt FOSECO durch Filtrationsprojekte und optimierte Schlichteanwendungen. Im Bereich Zylinderkopf für LKWs haben wir gemeinsam mit einem führenden europäischen LKW-Bauer eine Schlichte entwickelt, die zu einer deutlich besseren Sauberkeit der Öl- und Kühlmittelkanäle führt. Diese Technologie wird auch auf dem NEWCAST-Forum präsentiert.
Im Bereich der mittelschweren Stahlgussstücke werden wir mit Hollotex Shroud eine Technologie zum bisher nicht möglichen turbulenzfreien Gießen vorstellen.

FP: Wie ist es um den Ingenieur Nachwuchs für die Gießereien bestellt? Wer wird künftig das Sagen haben: Gießer, Metallurgen, IT oder der Kaufmann?
Generell kann man feststellen, dass wir uns in Deutschland und Europa verstärkt um den Gießer der nächsten Generation bemühen. BDG und VDG sowie die Hochschulen und Unternehmen haben hier einige Anstrengungen unternommen, um das Image der Branche zu verbessern und mehr junge Leute für das Gießereiwesen zu interessieren. Auch auf der GMTN gibt es wieder das Jugendprogramm Metals4you, bei dem junge Leute vor der Studienplatzwahl für technische Berufe interessiert werden.

Ein IT-Experte wird sicher keine Gießerei leiten. Der junge Ingenieur von heute wird sich jedoch zunehmend leichter tun, mit den digitalen Werkzeugen, die ihm zur Verfügung stehen, umzugehen, und den umfassenden Gießereiprozess zu beherrschen. Er ist dabei sehr gut metallurgisch ausgebildet und hat grundlegende kaufmännische Fähigkeiten, um seinen anspruchsvollen Job erfolgreich auszufüllen.

FP: Wie wichtig ist eine Weltleitmesse wie die GIFA in Düsseldorf im digitalen Zeitalter? 
Ich möchte dagegenhalten: GERADE im digitalen Zeitalter ist die Face-to-Face-Kommunikation von unschätzbarem Wert. Sicherlich kann man sich über die digitalen Kanäle bestens informieren und einen Überblick verschaffen – aber der persönliche Eindruck und das persönliche Gespräch mit Geschäftspartnern und Kunden sind nicht zu übertreffen und sind das A und O in der Business-Welt.

FP: Welche Impulse und Highlights erwarten Sie im Juni und was unterscheidet die GIFA von den regionalen Veranstaltungen in aller Welt und macht sie so attraktiv?
Die GIFA ist unumstritten die weltweite wichtigste Messe für die Gießereitechnik – und das schon seit 63 Jahren. Gemeinsam mit ihrer Schwestermesse, der NEWCAST, deckt sie das komplette Spektrum von Gießereitechnik und Gussprodukten in einer wohl einmaligen umfassenden Tiefe und Breite ab. Global Player und Marktführer sind ebenso vertreten wie kleine, innovative Unternehmen. Aktuelle Megatrends, State-of-the-Art-Technologie und die Innovationen von morgen werden im internationalen Maßstab präsentiert. Einen so vollständigen Branchen-Überblick können sich die Fachbesucher aus Wirtschaft, Forschung, Entwicklung und Lehre auf keiner anderen Messe weltweit verschaffen. Nicht zu vergessen: Die gleichzeitig laufende METEC und THERMPROCESS – die internationalen Leitmessen für Metallurgie und Thermoprozesstechnik – bieten einen echten Mehrwert.

FP: Bitte geben Sie uns drei Gründe warum der GIFA Besuch im Juni 2019 ein Muss für jeden Gießer ist.
1. GIFA, NEWCAST sowie METEC und THERMPROCESS bieten ein wahres Feuerwerk an Kongressen, Seminaren, Fachveranstaltungen und Sonderschauen – für die erwarteten rund 78.000 Besucher aus aller Welt ist das eine wohl einzigartige Möglichkeit zur Know-how-Bereicherung. Aus dieser Fülle der Veranstaltungen möchte ich besonders die Sonderschau Additive Manufacturing in Halle 13 und den Kongress zum gleichen Thema hervorheben.

2. Mit rund 900 Ausstellern aus aller Welt – und das alleine auf der GIFA – erwartet Sie das Who-is-Who der internationalen Gießerei-Branche. Nutzen Sie diese Chance, sich aus erster Hand über die Technik von heute und morgen zu informieren.

3. Die GIFA ist das internationale Gipfeltreffen der Gießerei-Industrie. Verpassen Sie es nicht!

Ich lade Sie herzlich ein, die GIFA, METEC, THERMPROZESS und NEWCAST vom 25. Juni 2019 bis zum 29. Juni 2019 in Düsseldorf zu besuchen.
Glück Auf, wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Düsseldorf zur GIFA!


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