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Die australische Automobilindustrie hat sich neu erfunden

Australiens neueste Mega-Fabrik für die Automobilherstellung – Walkinshaw Automotive Group

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Walkinshaw

Wie Dylan Campbell berichtet, hat sich in Down Under mehr verändert, als viele noch vor wenigen Jahren für möglich hielten. Die Automobilherstellung in Australien galt lange als erledigtes Kapitel. Spätestens nach dem Ende von Holden schien klar: Die große industrielle Autoproduktion war Geschichte. Doch dieser Eindruck hielt nur so lange an, bis sich im Südosten von Melbourne ein neues, beeindruckendes Kapitel auftat.

An einer unscheinbaren Nebenstraße im Industriegebiet von Dandenong erhebt sich heute ein gewaltiger Gebäudekomplex, der mit dieser Erzählung bricht. Was hier entstanden ist, hätte im Jahr 2018 kaum jemand erwartet: Australiens neueste Automobilfabrik. Die im November 2025 eröffnete Anlage ist das neue Zentrum der Walkinshaw Automotive Group, die vielen noch unter ihrem früheren Namen Holden Special Vehicles bekannt ist.

Unter einem Dach von 53.000 Quadratmetern werden in Dandenong Chevrolet Silverados und Dodge Ram Pick-ups für den australischen Markt von Links- auf Rechtslenkung umgebaut. In naher Zukunft beginnt zudem die Produktion des Volkswagen Amarok W600. Parallel dazu entstehen hier Konstruktion, Design und technische Vorbereitung für das Toyota-GR-Supra-Factory-Supercars-Programm von Walkinshaw Andretti United. Ergänzt wird das Portfolio durch Umrüstprogramme für den Toyota Tundra und den GMC Yukon. Insgesamt verarbeitet Walkinshaw inzwischen mehr als 13.000 Fahrzeuge pro Jahr – ein Produktionsvolumen, das noch vor wenigen Jahren undenkbar erschien.

Der Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig. Nach der Schließung des Holden-Werks in Südaustralien im Oktober 2017 und dem letzten produzierten HSV Commodore im Dezember desselben Jahres schien die Geschichte der australischen Performance-Fahrzeuge beendet. Drei Jahrzehnte Automobilbau und über 90.000 Fahrzeuge fanden damals ihr Ende. Doch während der Commodore verschwand, blieb etwas Entscheidendes erhalten: ein hochqualifiziertes Team aus Ingenieuren, Designern und Fertigungsspezialisten sowie umfassendes Know-how in der Kleinserienproduktion.

In den Jahren danach öffnete Walkinshaw seine Engineering- und Fertigungsdienstleistungen für internationale Hersteller. Das Unternehmen wuchs, allerdings unkoordiniert über mehrere Standorte hinweg. Zeitweise verteilte sich der Betrieb auf sieben verschiedene Einrichtungen im Südosten von Melbourne – ein Zustand, der organisatorisch und wirtschaftlich zunehmend ineffizient wurde. Die logische Konsequenz war der Entschluss, alle Kompetenzen wieder an einem Ort zu bündeln und dafür eine vollständig neue Fabrik zu errichten.


Der erste Spatenstich erfolgte im Juni 2020, die offizielle Eröffnung am 17. November 2025. Heute arbeiten tagsüber rund 600 Menschen in der Anlage, ergänzt durch weitere 300 Beschäftigte in der Abendschicht. Bei voller Auslastung ist die Infrastruktur sogar auf bis zu 1.500 Mitarbeiter ausgelegt.

Die Fabrik selbst ist ein klares Statement. Sie steht auf einem 120.000 Quadratmeter großen Grundstück und beherbergt fünf Produktionslinien auf 25.000 Quadratmetern, eine 7.000 Quadratmeter große Konstruktionsabteilung sowie ein 12.000 Quadratmeter umfassendes Lager mit Kapazitäten für mehr als 12.500 Paletten. Im Empfangsbereich erinnern zwei der letzten und begehrtesten HSV Commodores – darunter der legendäre GTSR W1 – an die Vergangenheit, während um sie herum die Zukunft der australischen Automobilindustrie entsteht.

Technologisch ist der Standort auf maximale Effizienz ausgelegt. Statt verwinkelter, U-förmiger Produktionslinien verlaufen die Fertigungsstraßen nun über 110 Meter schnurgerade. Hinzu kommen ein Elektrolabor, eine HVAC-Testkammer, 3D-Druckanlagen für Rapid Prototyping, ein Strukturlabor, Umwelt- und Vibrationsprüfstände, ein photometrisches Labor sowie ein Motorprüfstand. Die Anlage ist ADR-zertifiziert und sogar wasserstoffkonform ausgelegt. Kurz gesagt: Alles, was notwendig ist, um ein Fahrzeug vollständig zu entwickeln, zu testen und zu bauen, befindet sich an einem Ort.

Mit dieser technischen Basis stellt sich zwangsläufig eine Frage: Könnte Walkinshaw eines Tages ein eigenes Fahrzeug bauen? Die Idee eines australischen Supersportwagens in kleiner Stückzahl steht zumindest im Raum. Zwar ist das Unternehmen aktuell stark ausgelastet, doch ein selbst entwickeltes Konzeptfahrzeug gilt intern als denkbares Projekt – nicht primär als Serienprodukt, sondern als technisches Schaufenster für das gesamte Know-how des Unternehmens.

So beeindruckend diese Entwicklung auch ist, eine Rückkehr zur groß angelegten Massenproduktion hält man selbst bei Walkinshaw für unwahrscheinlich. Die dafür notwendige industrielle Lieferkette existiert in Australien nicht mehr. Mit dem Rückzug der großen OEMs verschwanden Presswerke, Spritzgusskapazitäten und Stanzanlagen – eine Infrastruktur, die sich nicht ohne Weiteres wieder aufbauen lässt. Eine echte Rückkehr zur Volumenproduktion würde den Neuaufbau einer gesamten Branche erfordern.

Was Walkinshaw jedoch eindrucksvoll beweist, ist etwas anderes: Die australische Automobilindustrie ist nicht verschwunden. Sie hat sich neu erfunden. Und manchmal beginnt eine totale Wende genau dort, wo lange niemand mehr hingeschaut hat.

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