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Gießereikonjunktur stark ausgebremst

Die Konjunktur der deutschen Gießereiindustrie verlief im Jahr 2008 noch insgesamt auskömmlich, erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG), Hans-Dieter Honsel.

So hielt die FE Gussproduktion (incl. Stahlguss) das 2007 Niveau. Der Produktionswert legte sogar um 5, 3 % zu. Beim NE-Metallguss ging die Fertigung dagegen um 8,0 % zu-rück. Der Produktionswert sank um 9,4 %. Das 4. Quartal 2008 ging mit deutlich sin-kenden Orders zu Ende. Aus dem Fahrzeugbau sind die Bestellungen um über 60 % ge-genüber dem Endquartal 2007 eingebrochen. Die Nachfrage aus dem Maschinenbau ging um fast 40 % zurück. Diese Entwicklung hat sich auch im 1. Quartal 2009 fortge-setzt.

Bedingt durch steigende Auftragsannulierungen sowie die schwachen Oders sind auch die Be-stände stark abgeschmolzen. Auf breiter Front wurden Zeitkonten und Urlaubsflexibilitäten genutzt, um sinkende Beschäftigung aufzufangen. Kurzarbeit ist die Regel. Die Leiharbeiterquo-te ist flächendeckend auf Null gefahren. Das Halten der Stammbelegschaft hat bei den Gieße-reien oberste Priorität, wird aber nicht bei allen Unternehmen in vollem Umfang realisierbar sein.

Die Spitzenwerte von 2007 und 2008 wird die Gießereiindustrie mittelfristig nicht mehr errei-chen können. Zu stark ist ihre Abhängigkeit von den zwei wichtigsten Branchen: Straßenfahr-zeugbau und Maschinenbau. Beide Kundensegmente nehmen zusammen rund dreiviertel der deutschen Gussproduktion ab. Alle Prognosen für diese zwei Abnehmergruppen signalisieren eine massiv geschrumpfte Produktion für das laufende Jahr, wobei z.B. im Nutzfahrzeugbereich noch deutlich stärkere Rückschläge zu verkraften sind. Die Intensität, mit der die Gießereien von der wegbrechenden Nachfrage betroffen sind, vari-iert je nach Produktpalette und Kundensegmentierung sehr stark, so Honsel.

Die Gussproduktion war im 1. Quartal 2009 ohne Ausnahme für alle Kundengruppen rückläu-fig. Der am stärksten betroffene Bereich, die Zulieferungen für den Fahrzeugbau verbuchte ein Minus von rund 50 % im Vergleich zum 1. Quartal 2008. Dieser Negativtrend gilt werkstoff- und verfahrensunabhängig für den gesamten Fahrzeugguss. Die schrumpfenden Produktionsvolumina sollten allerdings vor dem Hintergrund eines sehr starken Vergleichsquartals letzten Jah-res betrachtet werden. 2009 ist eine drastisch unter dem 2008er Niveau liegende Gussproduktion zu erwarten. Stüt-zend wirkt noch die Nachfrage aus dem Bereich der Energieerzeugung, Lebensmittel- und Me-dizintechnik. Der Schienenfahrzeugbau läuft gestützt durch den Personenverkehr unverändert gut. Dem Landmaschinenbau geht auf hohem Niveau etwas die Luft aus. Im Großanlagenbau sichern die bisher akquirierten Aufträge eine Auslastung bis Ende 2009.

Vereinzelte Impulse sind im Bereich der Prototypenaufträge zu verzeichnen; daher verdeutlichte Honsel: „Krisenfes-ter werden Unternehmen, wenn sie durch ein hohes Forschungs- und Entwicklungstempo Lö-sungsansätze für ihre Kunden in marktfähige Produkte umwandeln können. Ich warne daher davor, alles nur schwarz zu sehen.“. Honsel ist davon überzeugt, dass die Krise bei allen Belastungen auch eine Chance für einen Großteil der Gießereien bietet. Denn sie haben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gut gemacht. Dies gelte insbesondere, weil sie – anders als in den 90er Jahren - sich nicht in einer Strukturkrise befinden.

Auch wenn viele Gießereiunternehmen gegenwärtig noch kein „Licht am Ende des Tunnels“ sehen können, deuten einige Indikatoren nach Einschätzung der Wirtschaftsauguren auf eine konjunkturelle Bodenbildung hin. Dies gilt sowohl national als auch im internationalen Rahmen, auch wenn die Erwartungen der Bundesregierung mit – 6% bis -7% für dieses Jahr nicht unbe-dingt dafür sprechen. Etwas hoffen lässt der Geschäftsklimaindex der deutschen Zuliefererin-dustrie. Die Erwartungskomponente hat sich im April mit plus 5.2 Punkten deutlich stärker verbessert als die Erwartungshaltung der gewerblichen Wirtschaft insgesamt (plus 2,3 Punkte)!

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